UA-69169170-1

Daniel Hensel

Seminare und Vorlesungen an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main:

SS 11:
Form, Harmonik und Ästhetik in der „Vorklassik“ am Beispiel der Bach-Söhne. (S, HMW)

Beschreibung:

Es soll in diesem Seminar musiktheoretisch und musikwissenschaftlich die Musik der sogenannten „Vorklassik“ auf ihre formalen, harmonischen und kontrapunktischen Aspekte hin behandelt werden. Hierbei werden die Werke Wilhelm Friedemanns und Carl Philipp Emanuel Bachs exemplarisch beleuchtet werden, sowie auch ausgewählte Werke von Johann Christoph Friedrich und Johann Christian Bach. Ziel ist es, sich in die Denkweise der Zeit hineinzuversetzen, dies im harmonischen, kontrapunktischen als auch im ästhetischen Sinne, denn es soll letztlich um eine Neubewertung der Musik des 18. Jahrhunderts gehen, nämlich nicht um die Unterscheidung zwischen Barock und Klassik, sondern zwischen gebundenem (kontrapunktischen) und ungebundenem (galanten Stil). Dabei werden auch die Schriften von Marpurg, Mattheson und Heinrich Christoph Koch, wie auch J.S. Bachs Generalbaßregeln herangezogen werden.



WS 11/12:
Schubert, Schumann, Liszt und das romantische Klavierlied. (S, HMW)

Beschreibung:

Schuberts Liederzyklen „Die schöne Müllerin“, „Die Winterreise“ und die Liedersammlung „Schwanengesang“ bilden den Kern des romantischen Liedguts schlechthin. Einerseits soll vermittelt werden, welchen Einfluss die Gattung Lied im Schaffen Schuberts auch auf seine anderen Werke hatte, andererseits wie Schuberts Liedschaffen auf das von Schumann und Liszt fortwirkte. Die Lisztschen Bearbeitungen Schubertscher Lieder sollen ebenfalls zur Sprache kommen. Dass Schubert in seinen Liedern auch ein genialer Konstrukteur war und seine Harmonik weit in die Zukunft weist, soll in den Analysen herausgearbeitet werden. Das Verständnis, dass Schuberts Lieder wie „Der Leiermann“ und „Der Doppelgänger“ sowie Liszts Spätwerk wie die Klavierstücke „Nuages gris“ und „La lugubre gondola“ eine tiefe geistige Verwandtschaft teilen, soll in diesem Seminar erworben werden. Damit soll auch geklärt werden, was eigentlich das „Romantische“ in der Musik ist. Die musikalische Romantik setzte bekanntlich nach der literarischen ein. Es sind keine musiktheoretischen Vorbildungen notwendig, da diese hier erarbeitet werden sollen, und zwar die Musik auch harmonisch im Geiste der Zeit zu betrachten, weshalb die Generalbassschule Dürrnbergers sowie die Schriften des späteren Schubert-Kontrapunktlehrers Simon Sechter ebenfalls Raum finden werden. Das Seminar richtet sich vor allem auch an Sänger, denn es soll erläutert werden, warum heutige Liedausgaben von Schubert-Liedern wie die Fischer-Dieskaus oft das Tonartenkonzept der originalen Komposition zerstören.


SS 12:

Der klassische Stil oder: Haydn, Mozart und Beethoven. (S, HMW)

Beschreibung:

Wie der Titel schon sagt, soll die Musik der Wiener Klassik in ganzer Breite dargestellt werden. Dabei soll insbesondere auf das harmonische und architektonische Denken der Zeit Bezug genommen werden. Das Seminar versteht sich im Spannungsfeld von Musikwissenschaft und Musiktheorie. Wir wollen uns in das kompositorische Denken der Zeit versetzen, wobei Standardwerke der bedeutenden Gattungen jener Zeit mit Hilfe zeitgenössischer Musiktheorie untersucht werden sollen. Zur Hilfe kommen uns da vor allem die Studien Wolfgang Buddays, nämlich „Harmonielehre Wiener Klassik“ sowie „Grundlagen musikalischer Formen der Wiener Klassik: an Hand der zeitgenössischen Theorie von Joseph Riepel und Heinrich Christoph Koch dargestellt an Menuetten und Sonatensätzen (1750–1790)“ sowie die Generalbaßschule von Emanuel Aloys Förster. Wir wollen auch den Begriff „Klassik“ klären und untersuchen, was die Musik Haydns, Mozarts und Beethovens „klassisch“ macht, was sie von den Vorgängern, den Zeitgenossen und Nachfahren unterscheidet. Ein ständiger Wegbegleiter werden die Bücher „Der klassische Stil“ von Charles Rosen und „Musik im Abendland“ von Hans Heinrich Eggebrecht sein. Das Seminar ist offen für alle Fachrichtungen und alle Semester. „Einsteiger“ sind herzlich willkommen.

WS 12/13:
(S, HMW)

Anton Bruckner, seine Sinfonik und ihre Harmonik (S, HMW)

Das Seminar wird sich mit Anton Bruckners monumentaler Sinfonik und ihrer geschichtlichen Bedeutung auseinander-setzen. Wir werden uns mit dem Musikstreit des 19. Jahrhunderts beschäftigen, mit den Konstellationen Bruckner und Liszt, mit Bruckner und Brahms, Bruckner und Wagner, Bruckner und Mahler sowie seine Bedeutung für die Schönberg-Schule. Dabei werden wir auch auf Bruckners Leben eingehen und uns auch mit seiner Lehrtätigkeit in Harmonielehre und Kontrapunkt an der Wiener Universität auseinandersetzen. Wir wollen uns der Musik sowohl aus dem musiktheoretischen Verständnis der Zeit, als auch aus Bruckners Religiosität heraus nähern, weshalb wir uns mit der Musik-Theorie Simon Sechters ebenso wie mit der katholischen Mystik auf der philosophischen Ebene befassen müssen. Behandelt werden soll auch das Problem der verschiedenen Fassungen, in denen uns Bruckners Sinfonien überliefert sind. Wie lässt sich Religiosität in absoluter Musik nachweisen? Zum Abschluss soll das Werk „Jetzt und in der Stunde des Todes“ des Komponisten Heinz Winbecks behandelt werden, das dessen V. Sinfonie darstellt, die die Skizzen zum Finalsatz der IX. Sinfonie Anton Bruckners reflektiert. Dabei kommt Winbeck auf eine essentielle Frage der IX. Sinfonie zu sprechen: Wie ergeht es einem Komponisten, der weiß, dass er sein Werk nie mehr vollenden wird? Dieser und anderer Fragen wollen wir uns widmen und das Neue im Alten, als auch das Alte im Neuen suchen.

WS 13/14:
(S, HMW)
Arnold Schönberg

...oder als ob Beethoven Stockhausen gehört hätte, wenn er noch hätte hören können...

"Ich bin ein Konservativer, den man gezwungen hat, ein Radikaler zu werden".
Arnold Schönberg war ein um 1910 in Wien durchaus anerkannter Komponist und wurde in seinen Anfangsjahren von Komponisten wie Richard Strauss und Gustav Mahler gefördert, später von Feuilletonisten und Musikkritikern angefeindet und bekämpft. Schlussendlich floh er vor den Nationalsozialisten ins US-amerikanische Exil. Wir wollen gemeinsam die Übergangszeit von der sogenannten funktionalen Tonalität in die sogenannte freie Atonalität untersuchen, um darzulegen, wie Abstraktion in der Musik funktioniert, was das Neue im Alten und das Alte im Neuen ist. Warum kam es überhaupt zur großen Wende in der Dur-Moll-tonalen Musik? Wie vermeide ich einen Dur-Moll-tonalen harmonischen Kontext? Hat die Dur-Moll-Tonalität nicht vielleicht sogar bis in die Zwölftontechnik überdauert oder waren es andere Dinge, die fortbestanden haben? Was haben die Gurre-Lieder mit Schönbergs Orchesterstücken op.16 gemeinsam? Was vermittelte der Lehrer Schönberg? Wer waren seine Schüler? Was ist Schönbergsche Musiktheorie? Wie steht es mit Schönbergs Malerei? Klingen die Streichquartette Schönbergs nicht eigentlich so, als ob Beethoven, wenn er noch hätte hören können, Stockhausens Werke aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gehört hätte? Was verbindet diese drei Namen? Wir wollen uns auch das Wien Anfang des 20. Jahrhunderts als Metropole eines Imperiums vor Augen führen und untersuchen, ob es vielleicht Parallelen zwischen der sozialen Entwicklung Österreich-Ungarns und der musikalischen Entwicklung Schönbergs gibt. Ist das nicht eigentlich noch oder schon „Klassik“? Vorausgesetzt wird die Kenntnis der klassischen und romantischen Sinfonik, sowie der Kammermusik von Mozart, Beethoven, Schubert und Brahms.




14. Januar

Institut für Musik Kleine Marktstraße 7 (Haus 1) 06099 Halle (Saale), Raum 471 (4. Etage)

Vortrag: „Modi, pythagoräische Stimmung und Computer“, 14-15 Uhr
Workshop: 15-17 Uhr
Zielsetzung
Bewusstmachung im Umgang mit technischen Verfahrensweisen in Gerätschaften des modernen alltäglichen Lebens, wie MP3-Player, Smartphones usw. Wir wollen für digitale Quereinsteiger Hürden zur computergestützten Klanganalyse nehmen.
Ablaufplan
Vorstellung Jache: Hintergrund C64-SID-Programmierung, C16, Plus4- Soundprogrammierung, Programmierung des "Techno-Maker“, ein Sequenzerprogramm für Data Becker, Mitwirkung an sämtlichen Audio- Mastering-Programmen der Firma Magix.


11. Teil: Ausflug in die Klanganalyse von Schallwellen: Analyse von zeitabhängigen Signalen, Analyse von frequenzabhängigen Signalen, Erläuterung des Unterschieds zwischen analog und digital für eine Generation, die analoge Gerätschaften und Techniken nicht mehr kennt, digitale benutzt aber im Kern nicht mehr versteht; Aufnahmetechnik und Signalverarbeitung (Beispiel Magnetband, Beispiel Schallplatte, Beispiel CD), Beispiel Lautstärke, Erläuterung von MP3 als Beispiel für Frequenzanalyse, ein Format, das alle kennen und benutzen.
2- 2. Teil: Analyse von Noten, der komponierte Ton. Musikalische Klanganalyse als Analyse eines Abstraktums. Voraussetzung: MIDI, Music-XML, Erläuterungen dieser Formate, technische Erläuterung der Funktionsweisen von PALESTRINIZER mit Quellcode-Erläuterungen bei musikalischen Fragestellungen.
3- 3. Teil: Vorstellung von fertigen Softwarelösungen (keineswegs erschöpfend) SPSS, PSPP, Notensatz: Score (für Dos), Finale und Sibelius, MusixTex, Lilypond; Sonic Visualiser, Audacity, SuperCollider, als Ausblick für die Studenten.
4- 4. Hensel: gemeinsame Analyse mit den Studenten von Arthur Crudups "That’s All Right Mama" von 1946 sowie in Aufnahmen von 1954-1972 durch Elvis Presley, einmal per Gehör und einmal mit Sonic Visualiser, dabei Rückverweise zum 1. Teil. Fragestellung nach Sinnhaftigkeit traditioneller musikwissenschaftlicher Analysemethoden bei Popularmusik und Erläuterung der sonischen Visualisierung als Möglichkeit moderner musikalischer Analyse von Musik, die sich den klassischen Kriterien wie Harmonik, Motivik und Thematik entzieht, bei der aber der die Individualität des Interpreten und der Sound formbildend sind.

SS14:
(S, HMW)

Programmmusik


Dieses Seminar beschäftigt sich mit der Frage, ob es tatsächlich eine Musik gibt, die einem außermusikalischen Programm folgt oder ob es nicht tatsächlich, wie Mahler sagte, seit Beethoven keine Musik mehr gibt, die nicht ihr inneres Programm hat. Wir wollen Werke wie Beethovens 6. Sinfonie, die Berliozschen Orchesterwerke, die Lisztschen Symphonischen Dichtungen, die Symphonischen Dichtungen Richard Strauss' und die ersten vier Mahler-Sinfonien auf diese Fragen hin untersuchen.
Hinweis: Die Sitzungen am 15. und 22. April entfallen und werden im Rahmen eines Blockseminars am Samstag, den 10. Mai, 10-13 Uhr nachgeholt Raum A 208. (Änderungen vorbehalten)

WS 14/15:

Die Entwicklung der frühen Rock-Musik als Beginn einer neuen Jugend-, Protest- und Massenkultur



SS: 2015, Dienstag 16-18 Uhr ct., Raum A208:
(S, HMW):

Die Symphonik Gustav Mahlers

Analog zu den Forschungen Constantin Floros’ soll die Symphonik Gustav Mahlers als Höhepunkt der Entwicklung der Symphonie des 19. Jahrhunderts vermittelt werden. Einerseits wollen wir die geistige Welt hinter den Symphonien beleuchten, andererseits direkt das musikalische Material: die Motivanleihen aus dem Liedschaffen, die Harmonik, die Instrumentation und die Makroform. Besonderes Augenmerk soll zudem auf das Musikleben der Stadt Wien und ihre Komponisten um 1905 gelegt werden.



WS 15/16: Dienstag 16-18 ct, Leimenrode Seminarraum 1
(S, HMW)
Musik als Autobiographie, erotische Musik, die Kunst des Übergangs und die Vereinigung der Gegensätze – die Musik Alban Bergs
Beginn. Di., 13.10.2015

Das Seminar soll sich dem Komponisten Alban Berg widmen, dessen Opernschaffen v.a. mustergültig für die moderne Oper des 20. Jahrhunderts ist. Uns beschäftigt das Wien von 1900- 1935 und die Frage, warum Berg eigentlich Prostituierte derart in seinem Schaffen exponiert. Wie schreibt man erotische Musik? Dabei wollen wir uns auch das frühe Schaffen Albans ansehen und uns fragen, ob nicht letztlich Bergs harmonische Sprache einer natürlichen Evolution und eben keiner Revolution gleichkommt, ob Atonalität doch nur ein Schlagwort des Feuilleton ist und den zu beschreibenden harmonischen Sachverhalt überhaupt nicht fassen kann. Wir wollen verstehen lernen, warum Strawinsky ihn für den größten Formarchitekten hielt. Das Studium der Schönbergschen Harmonielehre wird für die Analysen empfohlen, ist aber keine Voraussetzung. Sänger sind herzlich eingeladen, vor allen Dingen, wenn sie die Bergs-Lieder singen können, die wir auch durchnehmen.